Soda-Kosten oder die stille Erosion von Markenwert
- Sara Meier
- 3. März
- 3 Min. Lesezeit

In vielen Unternehmen entstehen erhebliche Kosten durch vermeintliche Einsparungen. Ein besonders verbreitetes Phänomen sind sogenannte Soda-Kosten: Diese entstehen dadurch, dass Mitarbeitende, die «sowieso da» sind, Kommunikations- und Brandingaufgaben ohne professionelle Qualifikation übernehmen. Was kurzfristig nach Effizienz aussieht, entwickelt sich mittelfristig zu einem strukturellen Wertvernichter.
Wenn sich sparen nicht wirklich lohnt
Gerade im Branding entfalten Soda-Kosten eine überproportional negative Wirkung. Denn die Marke ist ein strategisches System zur Wertschöpfung. In der Praxis beginnt es harmlos: Die Assistenz gestaltet eine Broschüre, der Vertrieb «optimiert» die Verkaufspräsentation, die IT entwickelt schnell ein Logo, HR schreibt Employer-Branding-Texte selbst.
Die zugrunde liegende Logik lautet: Externe Agenturen kosten Geld, interne Ressourcen nicht. Diese Annahme ist betriebswirtschaftlich unpräzise. Interne Ressourcen sind keineswegs kostenlos – sie verursachen Opportunitätskosten. Jede Stunde, die hochqualifizierte Mitarbeitende in fachfremde Kommunikationsaufgaben investieren, fehlt in ihrer originären Wertschöpfung.
Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Ohne strategisches Fundament entstehen fragmentierte Kommunikationsmassnahmen. Es gibt kein konsistentes Markenbild, sondern isolierte Einzelmassnahmen.
Vorsicht Markenverwässerung!
Branding wird häufig auf visuelle Gestaltung reduziert. Tatsächlich umfasst professionelle Markenführung jedoch Positionierung, Differenzierung, Tonalität, Markenarchitektur, narrative Leitideen, visuelle Codierung und einiges mehr. Es handelt sich um ein integriertes System, das Wiedererkennbarkeit und Vertrauen erzeugt.
Wird dieses System durch improvisierte Einzelentscheidungen ersetzt, entsteht Inkonsistenz. Unterschiedliche Claims, wechselnde Bildwelten, schwankende Tonalitäten und inkohärente Präsentationsdesigns führen zu einer schleichenden Markenverwässerung. Die Auswirkungen sind messbar: sinkende Markenerinnerung, reduzierte Wiedererkennbarkeit und eine schwächere Preisprämienfähigkeit.
Marken wie Apple oder On demonstrieren, dass konsequente Markenführung ein zentraler Treiber von Margenstärke und Marktkapitalisierung ist. Kein strategisch geführtes Unternehmen würde zentrale Markenparameter dem Zufall überlassen.
Die zweite Kostenwelle
Soda-Kosten wirken zeitverzögert. Zunächst scheint Geld gespart worden zu sein. Doch mit zunehmender Inkonsistenz steigen die Korrekturaufwände. Externe Beratung wird nachträglich hinzugezogen, ein Rebranding wird notwendig, Websites müssen neu aufgesetzt, Kommunikationsmittel überarbeitet und Mitarbeitende geschult werden.
Diese Reparaturmassnahmen sind regelmässig teurer als eine von Beginn an professionelle Markenentwicklung. Zusätzlich entstehen interne Reibungsverluste, Frustration und Vertrauensschäden gegenüber Marketingfunktionen.
Unternehmen zahlen somit doppelt: einmal für die improvisierte Lösung und ein weiteres Mal für deren Korrektur.
Unsichtbar, aber markant
Besonders kritisch sind die unsichtbaren Effekte. Wenn Führungskräfte Zeit in Präsentationsdesign investieren oder Fachabteilungen Marketingtexte verfassen, sinkt die Produktivität in den Kernprozessen. Gleichzeitig fehlen strategische Leitplanken, sodass jede neue Kommunikationsmassnahme erneut diskutiert wird.
Ohne klare Marken-Governance entstehen Abstimmungsschleifen, Geschmacksdebatten und Entscheidungsunsicherheiten. Diese Ineffizienzeffekte sind selten explizit budgetiert, wirken jedoch dauerhaft auf die Kostenstruktur.
In der Summe lassen sich Soda-Kosten als Aggregat aus vermeintlicher Einsparung, Opportunitätskosten, Korrekturaufwand, Reputationsrisiko und internen Effizienzverlusten verstehen. Betrachtet man diese Gesamtkosten, relativiert sich jede kurzfristige Budgetersparnis.
Branding als Kapitalrendite-Faktor
Professionell gesteuertes Branding beeinflusst zentrale betriebswirtschaftliche Kennzahlen: Preispremium-Fähigkeit, Kundenloyalität, Mitarbeiterbindung, Differenzierungsgrad und langfristige Unternehmensbewertung. Eine starke Marke reduziert Akquisitionskosten, stabilisiert Margen und erhöht die strategische Resilienz im Wettbewerb.
Soda-Kosten untergraben genau diese Hebel. Sie zerstören Kohärenz, reduzieren Vertrauen und erhöhen langfristig die Marktbearbeitungskosten. Branding versteht sich daher nicht als ästhetische Disziplin, sondern als Werttreiber mit direktem Einfluss auf die Kapitalrendite.
Zum Mitnehmen und Nachdenken
Soda-Kosten sind ein strukturelles Effizienzrisiko. Im Branding wirken sie besonders destruktiv, weil Markenwert kumulativ aufgebaut, jedoch schnell beschädigt wird. Wer Brandingaufgaben systematisch improvisiert, spart nicht – er verschiebt Kosten in die Zukunft und erhöht sie zugleich.
Unternehmen, die Markenführung als strategisches Governance-System etablieren und professionelle Kompetenz klar von Nebenaufgaben trennen, vermeiden nicht nur Reparaturkosten. Sie sichern langfristig ihren immateriellen Unternehmenswert. Die zentrale Frage lautet daher nicht: Was kostet professionelles Branding? Sondern: Was kostet es, darauf zu verzichten?



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