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Geht’s auch auf Deutsch? Sure!

  • Sara Meier
  • 8. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Jan.


Anglizismen sind Ausdruck von Sprachwandel. Doch die Sprache sollte in ihrem Fortschritt nicht an Niveau verlieren.


Wer regelmässig mit Geschäftssprache zu tun hat und so manche Stunde in Besprechungen verbringt, merkt schnell: Die moderne Geschäftssprache ist inzwischen ein eigenwilliger Blend aus Deutsch, Englisch und einer dritten Kategorie, die ich «Business-Esperanto» nenne. Da wird munter «gesynct», «gealigned» und «gechallenged». Bis selbst Muttersprachler:innen verwirrt die Hände heben. Um Sinn und Unsinn von Anglizismen in der Geschäftssprache geht es in diesem Beitrag.


Sprache goes international

Viele Unternehmen arbeiten international, nutzen englische Software, verhandeln mit internationalen Partnern und übernehmen damit automatisch englische Begriffe. Gleichzeitig ist die Sprachaffinität in einem Land wie der Schweiz hoch – man will nicht nur den Landessprachen, sondern überhaupt allen Involvierten sprachlich gerecht werden. Mit Englisch ist man gut bedient, immerhin sprechen knapp 19 % der Weltbevölkerung Englisch als erste oder zweite Sprache.

Neue Produkte, Methoden oder Trends entstehen oft im englischsprachigen Raum. Begriffe wie Start-up, Cloud, Lead oder Release setzen sich schneller in der Praxis durch, als eine deutsche Übersetzung überhaupt gefunden wird. Zudem sind englische Begriffe meist kürzer oder präziser als deutsche Formulierungen. «Deadline» macht sich erreichbarer als «Abgabetermin», «Feedback» lockerer als «Rückmeldung».


Business as usual

In der Geschäftssprache bieten Anglizismen einen gemeinsamen Nenner für Personen aus unterschiedlichen Nationen und Fachgebieten. Sie erleichtern in internationalen Teams die Kommunikation erheblich. Was das für das Niveau des gesprochenen und geschriebenen Englischen bedeutet, sei hier einmal ausgeklammert. Im Weiteren hat Englisch einen eindeutigen Modernitätsbonus. Die Sprache klingt zeitgemässer und dynamischer als Deutsch mit seinen vielen Deklinationen und Flexionen. Demnach macht es durchaus Sinn, englische Begriffe zu wählen, wo deutschsprachige Alternativen sperrig wären. Schliesslich sind manche Begrifflichkeiten wie «Pitch», «Benchmarking» oder «Scalability» spezifischer, während das Deutsche ein Vielfaches an Wörtern für denselben Inhalt braucht.


Schillernde Kehrseite

Inflationär verwendet können Anglizismen verwirrend oder abschreckend sein. «Bitte senden Sie mir ein Update zum Status des Rollouts.» Aussagen wie diese klingen wie ein müder Versuch, mangelnde Kompetenz zu kaschieren. Oder einfach zu viel sein. Sätze wie «Wir müssen das im Leadership-Alignment challengen» nennt man Bullshit-Bingo. Für die meisten englischen Begriffe gibt es gute deutsche Wörter («Besprechung», «Vorgabe», «Zielgruppe»). Diese werden zunehmend von Anglizismen verdrängt. Hier spielt die Suchmaschinenoptimierung (SEO) rein: Internetnutzende suchen gerne nach englischen Begriffen, wünschen dann aber deutsche Websites oder Blogbeiträge. Umgekehrt ist das selten der Fall. Anglizismen sind also weniger sinnvoll, wenn es leicht verständliche deutsche Wörter gibt (Laptop ausschalten statt shut down), wenn die Zielgruppe nicht wirklich Englisch-affin ist oder wenn man schlicht um den heissen Brei herumredet.


Also

Sprachwandel ist normal und gut, Anglizismen folgen einem jahrhundertealten Muster. Dominierten früher französische (Portemonnaie, Chance, Engagement) und lateinische (Justiz, Struktur, Kandidat) Lehnwörter, so ist heute Englisch en vogue. Vor dieser Entwicklung darf sich ein Unternehmen keinesfalls verschliessen. Wenn aber folgende Sätze vorkommen, sollten die Verantwortlichen aufhorchen: «Der Rollout hat das Momentum verloren, weil das Testing gefailed ist – aber wir pushen jetzt einfach die Visibility.» Hört man hier eine Produktstrategie oder eine Wettervorhersage? Sprache darf in ihrem Fortschritt nicht an Niveau verlieren. Dann verliert sie nämlich an Kraft. Sorry – an Power.




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