Rede, Digga!
- Sara Meier
- 30. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

2025 hinterlässt uns nicht nur Denkwürdiges und Anspruchsvolles fürs neue Jahr. Wir dürfen auch einiges Erfreuliches mitrutschen lassen. Zum Beispiel den Ausdruck «das crazy», der vom Langenscheidt Verlag anlässlich der Frankfurter Buchmesse zum Jugendwort des Jahres 2025 gekürt wurde. Mit einem äusserst geringen Vorsprung setzte sich «das crazy» gegen die ebenfalls stark platzierten Begriffe «checkst du» und «goonen» durch. Etwa 82 Prozent der gültigen Einsendungen des Votings stammten von Teilnehmenden im Alter zwischen 11 und 20 Jahren.
Allzweckwaffe gegen Sprachlosigkeit
«das crazy» dient Jugendlichen als universelle Antwort, insbesondere in Situationen, in denen eine treffendere Reaktion fehlt, der Aufwand für eine ausführliche Stellungnahme zu gross erscheint oder lediglich ein höfliches Signal gesendet werden soll. «das crazy» ersetzt häufig ein schlichtes «Okay». «Die diesjährige Wahl zeigt erneut den ungebrochenen Einfluss der englischen Sprache und den Trend zum Verkürzen», erklärte Nikolas Hoenig, Head of Marketing bei PONS Langenscheidt. «das crazy» spiegele damit präzise den aktuellen Sprachgebrauch junger Menschen wider – genau das sei das zentrale Anliegen der Wahl.
Top 10, top kreativ
Als Textmensch unterstütze ich dieses Fazit. Aber es ist meines Erachtens noch nicht alles. Ein Blick auf die gesamte Top 10 der Jugendausdrücke im Jahr 2025 gewährt spannende Einblicke in die Entwicklung der Jugendsprache.
1. «das crazy» Der Begriff wird immer dann verwendet, wenn jemand nicht weiss, was er sagen soll, keine Lust hat zu antworten oder einfach nur höflich bleiben will, um das Gespräch am Laufen zu halten. Er ist somit vergleichbar mit einem «Aha, cool» oder «Okay».
2. «Checkst du» Wird genutzt, um sicherzugehen, dass das Gegenüber wirklich versteht, worum es gerade geht. Die neue Variante des «Verstehst du?» steht meist am Ende eines Satzes.
3. «Goonen» Ein Slangwort für Selbstbefriedigung. Ursprünglich wurde es benutzt, wenn es nicht bei einer kurzen Handlung blieb, sondern auf eine Dopaminsucht schliessen liess. Inzwischen wird es als allgemeines Synonym genannt.
4. «Digga(h)» Ein klassisches Slangwort als Synonym für Bro, Bruder, Freund und Freundin oder einfach irgendeine Person. Funktioniert auch als Anrede, Ausruf oder Reaktion.
5. «Lowkey» Der Begriff bedeutet so viel wie «ein bisschen», «unauffällig» oder «unterschwellig». Er wird benutzt, um etwas auszudrücken, ohne dabei zu dramatisch zu wirken – beispielsweise wenn es um Gefühle, Ansichten oder Geschmäcker geht.
6. «Rede» Meint «Lauter! Alle sollen es hören!» und wird genutzt, wenn jemand genau das ausspricht, was alle fühlen und denken. Diese Zustimmung mit Nachdruck ist besonders beliebt in Gesprächen.
7. «Schere» Der Begriff stammt aus der Gaming-Szene und schaffte es wie «Diggah» bereits 2024 in die Top 10. Er wird genutzt als digitaler Handschlag, der «Mein Fehler!» ausdrückt. Wer Mist baut und dazu steht, hebt metaphorisch die Schere.
8. «Sybau» Ein Wort, das süsser klingt, als es gemeint ist. Es steht für «Shut your bitch ass up» und wird gerne in Videos und Kommentarspalten geschrieben. Ältere Generationen sagten noch «Halt die Fresse».
9. «Tot» Ein Begriff, der etwas oder eine Situation beschreibt, die komplett daneben ist – oder einfach lahm, peinlich oder unbeabsichtigt uncool.
10. «Tuff» Ein Slangwort, das für «krass» oder «cool» steht. Es ist damit eine positive Art zu sagen, wie beeindruckt man ist.
Also
Jugendsprache ist mehr als eine Liste witziger oder schräger Begriffe. Sie ist dynamisch, kreativ, oft kurz und prägnant, mit einem hohen Anteil an Fremdwörtern, Abkürzungen und humorvollen Wendungen. Social Media, Gaming und Messenger-Dienste beeinflussen die Wortwahl, Emojis und Memes fliessen ebenfalls ein. Viele Begriffe stammen aus dem Englischen oder sind Hybridformen. Ein Ausdruck kann je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen haben. Junge Menschen geben Wörtern einen neuen Kontext oder eine neue Bedeutung, oft lustig oder ironisch. Sie setzen Sprache spielerisch ein, um Emotionen, Sarkasmus oder Übertreibung zu transportieren. Und wenn keine Antwort wirklich passt, dann schöpfen junge Generationen kurzerhand eine universelle Alternative: «das crazy!»



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