Kein i ohne Tüpfelchen
- Sara Meier
- 29. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Was wäre ein i ohne Tüpfelchen? Etwa so unverständlich wie ein à ohne Accent grave. Oder so unangebracht wie eine Geburtstagstorte mit der falschen Anzahl Kerzen. Oder so unbrauchbar wie ein Text ohne Korrektorat. Sagt eine Texterin, die sich mit der deutschen Rechtschreibung zwar sehr gut auskennt, aber keinen Text abliefert, der nicht unter dem Rotstift einer erfahrenen Korrektorin durchgekrochen ist. Das Korrektorat ist für mich die ultimative Qualitätsprüfung meines Textes, wie gut auch immer mir dieser gelungen ist.
Nach allen Regeln der Kunst
Das Korrektorat prüft einen Text auf Herz und Nieren. Es stellt sicher, dass die Schreibung nach einem amtlichen Regelwerk – in den meisten Fällen nach Duden – sichergestellt ist. Dazu checkt es Rechtschreibung, Interpunktion, Grammatik, Satzbau, Typografie, Silbentrennung. Weiter gewährleistet die Korrektorin oder der Korrektor, dass die textende Person einen einheitlichen Stil und das Corporate Wording (einheitliche Schreibung von Zahlen, Namen, Daten, Genderformen usw.) eingehalten hat. Dabei werden Wortwiederholungen, Passivformen, eine allzu ausgeprägte Nominalisierung und andere stilistische Schwächen behoben. Schliesslich kontrolliert die korrigierende Person den Text auf Verständlichkeit und inhaltliche Richtigkeit.
Braucht es das?
Im Zeitalter von lernenden Sprachmodellen ist die Frage berechtigt. Schliesslich enthält mittlerweile jedes Textverarbeitungsprogramm einen (KI-)Editor, der bei Rechtschreibe- oder Interpunktionsfehlern Alarm schlägt. Und ob es das braucht! Denn die Rechtschreibe-Plug-ins der maschinellen Textverarbeitung sind selten auf dem neusten Stand und prüfen nur das, wofür sie gemacht sind: Rechtschreibung. Korrektur gelesene Texte hingegen sind viel mehr als recht geschrieben. Sie sind im Hinblick auf Grammatik, Satzbau, Zeilenumbruch, Schriftsetzung, Trennungen, Wortwahl und Korrektheit perfekt, sprich: makellos.
Fehler machen verboten
Die Unternehmerwelt predigt derzeit eine gesunde Fehlerkultur. Diese Haltung finde ich gut. Doch beim Text gilt Null-Fehler-Toleranz. Denn Fehler in Texten sind nicht nur unprofessionell oder peinlich, sondern können irreführend oder imageschädigend sein. Interessanterweise legen bei Weitem nicht alle Unternehmen Wert auf eine einwandfreie Sprache. Oft haben sie für die Entstehung ihrer Kampagnen schon so viel Geld ausgegeben, dass es nicht mehr fürs Korrektorat reicht. Noch öfter ist der Zeitdruck so gross, dass man den letzten Schliff einfach nicht mehr schafft. Oder aber es ist den Verantwortlichen schlicht und ergreifend egal. Diese Begründung finde ich besonders bedenklich.
Also
Hervorragende Texte erreichen nicht nur die angestrebte Zielgruppe, nutzen optimal das Medium und erzielen die gewünschte Wirkung, sondern haben ein professionelles Korrektorat passiert. Damit sind sie stilistisch sauber, sprachlich und inhaltlich kohärent und ebenso professionell wie glaubwürdig. Korrektur gelesene Texte sorgen für eine klare Kommunikation, verhindern Missverständnisse und signalisieren der Leserschaft: «Danke, dass du dir die Zeit nimmst, mich zu lesen.» Oft zeigt sich am Korrektorat, wie (un-)sorgfältig Unternehmen mit ihrem verbalen Ausdruck umgehen. Darum mein Tipp als Texterin: Wenn Sie hochwertig kommunizieren und Ihrer Leserschaft Respekt entgegenbringen möchten, dann lassen Sie in Ihrem Text besser die fünfte Feedbackrunde weg als das externe Korrektorat.



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