Maschinen produzieren, Menschen texten
- Sara Meier
- 7. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie haben einen einzigartigen Bauplatz für Ihr Traumhaus gefunden. Auf der Suche nach einem geeigneten Architekten finden Sie ein Architekturbüro, dessen Website Sie anspricht. Eloquent, gut strukturiert, gefällig bebildert. Der Geschäftsführer steht zwar nicht für ein Kennenlernen auf Ihrem Bauplatz zur Verfügung, aber man gibt Ihnen einen Termin bei seinem Kundenberater. Von diesem lassen Sie sich den Prozess Ihres Bauprojekts erklären. Abschliessend meint er: «Die Baustatik lassen wir übrigens weg. Das ist zu teuer. Mit diesem Geld lassen Sie sich besser eine wunderschöne Küche einbauen.» Das lässt Sie aufhorchen – hoffentlich.
Kosten schlagen Qualität
Schon klar, die Geschichte hinkt. In kaum einem Land kriegen Sie eine Baugenehmigung ohne baustatisches Gutachten. Dennoch soll das kurze Gedankenexperiment einen der häufigsten ökonomischen Fehlschlüsse in der Kommunikation aufzeigen: Viele Unternehmen lassen einen zentralen Schritt ihrer kommunikativen Wertschöpfung aus reinen Kostenüberlegungen weg, zum Beispiel im Marketing. Hier lässt man Webtexte, Blogbeiträge oder Verkaufspräsentationen von der künstlichen Intelligenz (KI) schreiben, ohne sie anschliessend mit menschlichem Intellekt und dem Können eines Textprofis zu verfeinern. Man schenkt der Maschine genauso viel Vertrauen wie dem Menschen – und erwartet, dass dies auch die Kundschaft tut. Und man ignoriert, dass zwischen dem Output von Algorithmen und der langjährigen Erfahrung von Berufsmenschen Welten liegen.
Zurück zur Baustatik
Wir Textmenschen sprechen von KI-Post-Editing. Klingt genauso technisch, ist aber durch und durch menschlich. KI-Post-Editing bezeichnet die gezielte Überarbeitung von KI-generierten Texten durch uns Fachleute. Damit machen wir das Geschriebene fachlich korrekt, stilistisch angemessen, rechtlich unbedenklich und für den jeweiligen Zweck optimal nutzbar. Entweder konzentrieren wir uns dabei auf Verständlichkeit, eliminieren grobe Fehler und nehmen minimale stilistische Anpassungen vor (Light Post-Editing). Oder wir überarbeiten den Text umfassend hinsichtlich Inhalt, Aufbau, Zielgruppe, Stil, Terminologie, Tonalität, Rechtssicherheit und Markenfit (Full Post-Editing).
Authentizität statt Hochglanzmarketing
KI-Post-Editing stellt sicher, dass Inhalte korrekt, belastbar und markenbildend sind. KI-generierte Texte ohne menschliche Intelligenz werden aus diversen Gründen manchmal problematisch:
Unbearbeitete KI-Texte können sachlich falsch oder veraltet sein, Zusammenhänge verkürzt oder unpräzise darstellen oder Informationen enthalten, die das KI-Tool «plausibel» erfunden hat – weil KI manchmal halluziniert.
KI erkennt keinen Kontext, weil sie nur hochrechnet, was statistisch am sinnvollsten ist. Das führt zu einer falschen Tonalität, zu unpassenden Beispielen oder unangebrachten kulturellen Referenzen. Und vor allem dazu, dass Unternehmens- oder Markenrichtlinien unberücksichtigt bleiben.
Unbearbeitete KI-Texte können Urheberrechtsrisiken aufwerfen, gegen Datenschutzbestimmungen verstossen, diskriminierende, verzerrte oder irreführende Aussagen machen oder sogar haftungsrelevante Inhalte enthalten.
KI-generierte Texte wirken meist generisch und redundant, sprachlich aalglatt, aber inhaltlich flach. Man kann förmlich hören, dass die KI den Text geschrieben hat.
Also
KI ist ein Produktivitätswerkzeug, kein Ersatz für Verantwortung. Für einen starken Text liegt diese in fachlicher, rechtlicher und kommunikativer Hinsicht immer beim Menschen. Gutes KI-Post-Editing kombiniert Fachwissen, Sprachkompetenz und kritisches Denken. Es reduziert die Textrisiken von KI erheblich und sorgt für kommunikative Passgenauigkeit. Damit wird KI-Post-Editing zur zentralen Qualitätssicherung, mit der die Kommunikationsverantwortlichen die Qualität, die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in ihre Marken erhöhen. So lautet meine Empfehlung an Unternehmen, die für ihre Texte mit KI arbeiten: Wenn Sie KI für professionelle Texte einsetzen, sollten Sie den KI-Output ebenso professionell überarbeiten (lassen).



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